Andy Warhol‘s L‘Amour, 1972

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Open: Tue-Fri 11am-6pm, Sat 11am-4pm

Neven-DuMont-Str. 17, 50667, Cologne, Germany
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Andy Warhol‘s L‘Amour, 1972

Cologne

Andy Warhol‘s L‘Amour, 1972
to Sat 17 Apr 2021
Tue-Fri 11am-6pm, Sat 11am-4pm

Im Oktober 1970 kam Andy Warhol nach Paris um zusammen mit Paul Morrissey einen neuen Film zu drehen. Begleitet wurde er von Fred Hughes, der für Warhol in der Pariser Gesellschaft Portrait Aufträge ermöglichen sollte und mit dem zusammen Warhol in den Antiquitätenläden Art Deco Möbel einkaufen wollte. In den letzten Jahren hatte sich die Struktur der Factory verändert und sich als Andy Warhol’s Enterprises mehr und mehr den Look einer Business Corporation gegeben. Bob Colacello berichtet in “Holy Terror”, wie der notorisch geizige Andy Warhol Rechnungen für seine Art Deco Einkäufe als Set-Möbel für seinen neuen Film für die Steuer sammelt.
Das Pariser Filmprojekt hatte zunächst den Arbeitstitel “Gold Diggers ’71”, nach Busby Berkeleys Depression- Era Art Deco Extravaganza “Gold Diggers of 1933” mit dem Hit “We’re in the money”, gesungen von Ginger Rogers vorwärts und rückwärts.
Wie in “Gold Diggers of 1933”, reden auch in Warhol und Morrisseys Film alle ständig von Geld. Zwei New Yorker Hippie Girls, gespielt von Donna Jordan und Jane Forth, kommen nach Paris um von ihren Freunden dort davon überzeugt zu werden, dass die Hippie Zeit nun endlich vorbei ist und sie nach einem ausführlichen Makeover ihr Glück als Fotomodelle versuchen sollen um Geld zu verdienen oder sich einen reichen Mann zu angeln. Das Makeover der neuen Showgirls/Gold Diggers wird von Corey Tippin übernommen und findet in der Wohnung von Karl Lagerfeld statt, der auch in der Rolle eines deutschen Aristokraten und Modedesigners einige Auftritte im Film hat. Die Wohnung von Karl Lagerfeld ist komplett in Art Deco eingerichtet und entspricht besonders auch mit den Fitness Geräten dem High Camp Glamour und den Neo-Machine-Age-Kitsch den Lagerfeld zu dieser Zeit mit seiner Entourage um den legendären Künstler, Modeillustrator und Stylisten Antonio Lopez verkörpert. So werden Donna Jordan und Jane Forth mit reichlich Make Up und neuer Frisur in Art Deco Schönheiten verwandelt, die den Zeichnungen Jean Dupas aus den 30er Jahren entsprungen sein könnten. Ein Motiv von Jean Dupas wird auch als Logo für den Film verwendet der schließlich den Titel “L’Amour” erhält.
Die männliche Hauptrolle im Film übernimmt Michael Sklar, seine Rolle, entsprechend, ein weiteres Klischee der 20er und 30er Jahre, nämlich des reichen American in Paris, in diesem Fall aus einer Familie die ihr Vermögen mit Klosteinen für Pissoirs gemacht hat. Michael Sklar streitet mit seinem Liebhaber, dem Franzosen Max Delys über dessen Adoption, für die sie auf der Suche nach einer Ehefrau/Mutter sind. Die Zusammenführung von Michael Sklar und Max Delys mit Donna Jordan und Jane Forth, resultiert dann auch neben gemeinsamen Arbeitsprojekten, einem Musical, oder Fotoshoots mit Klosteinen vor Pariser Pissoirs, in Heiratsplänen.
War es ein signifikantes Moment Warhols früherer Filme, dass sich vor einer mehr oder weniger statischen Kamera die gefilmte Person zeigt, speziell in den Momenten in denen sie einer vorgefassten Rolle oder Haltung zu entgleiten scheint, so ist “L’Amour” entschieden ein Kostüm- und Ausstattungsfilm, in dem sich die Figuren in das Set einfügen. Wie üblich bei Warhol ist die Narration des Films dünn und das Schauspiel amateurhaft, nur ist es hier nun weniger die Aura der Darsteller selbst, die in Erscheinung tritt, als vielmehr das Bemühen der Darsteller in ihren Rollen zu bleiben.
Das wesentliche Herzstück der Depression-Era Musicals bei Busby Berkeley waren die eskapistischen Bühnenchoreographien mit ihren fulminanten Sets. In “L’Amour” übernimmt Paris diese Bühnenfunktion. Vor allem zum Ende des Films hin, werden immer wieder Aufnahmen der bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt in die Handlung eingefügt. “L’Amour” ist der erste Warhol/Morrissey Film der in Europa gedreht wurde.

Zwischen 1987 und 1990 hatte Michael Krebber eine Reihe von Einzelausstellungen, die er als leere Ausstellungen bezeichnet. Eine davon fand 1989 in der Galerie Sylvana Lorenz in Paris statt. Hier zeigte er in der ansonsten leeren Galerie eine bei einem Fotografen in Auftrag gegebene Aufnahme des Eiffelturms. Die Fotografie wurde mit dem Motiv nach Außen in die Innenseite der Glaseingangstür der Galerie montiert.
“Paris war eigentlich nur Jacques Tati sagen. (…) Habe die Tati-Tür gezeigt, weil ich die nicht verlieren wollte, weil ich Tati nicht verlieren wollte.” (Diederichsen, Diedrich: “Mein Material ist der Papagei/Diedrich Diederichsen im Gespräch mit Michael Krebber”, in: Jahresring, München 1990, S. 134-169)
Die Arbeit bezieht sich auf den Film “Playtime”, der gleichzeitig als der Höhepunkt Jacques Tatis Filmschaffens gilt, aber auch sein finanzieller Ruin war. Der Film ist eine Modernismus-kritische Komödie die in einer Trabantenstadt am Rand von Paris spielt, durch die Tati als sein Seriencharakter Monsieur Hulot irrt. Paris kommt im Film als Spiegelungen auf Glastüren vor. In einer sieht man das Spiegelbild von Sacré-Coeur, in einer das des Arc de Triomphe und in einer das des Eiffelturms. Jacques Tati hatte eigentlich geplant nach “Playtime” keine weiteren Monsieur Hulot Filme mehr zu drehen, musste sich aber aufgrund des finanziellen Desasters von “Playtime” und seiner prekären Situation seinem Produzenten gegenüber dazu verpflichten, auch in seinem folgendem Film “Traffic” noch einmal als Monsieur Hulot aufzutreten.

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